Trauerbewältigung

Trauer – die heilende Kraft

Trauer und Tod sind Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Den natürlichen Umgang mit ihnen haben wir dadurch meist verlernt. Dabei durchziehen Abschied und Trauer unser ganzes Leben. Immer wieder müssen wir etwas aufgeben oder loslassen, uns von jemandem oder von etwas trennen.

Damit Trauer nicht krank macht, ist es wichtig, ihr Raum und Ausdruck zu geben. Sie will regelrecht durchlebt und durchschmerzt werden. In der Trauer unterscheidet man mehrere Phasen, die oft auch ineinander übergehen, sich mehrmals wiederholen und bei jedem Menschen verschieden sein können. Intensität und Dauer der Trauer hängen nicht unwesentlich auch von der Bindung ab, die der Trauernde zu dem Verstorbenen hatte.

In der folgenden Beschreibung unterschiedlicher Verhaltensweisen möchten wir einige typische Reaktionen Trauernder darstellen.

Phase 1

Oftmals ist die erste Reaktion auf den Tod eines Menschen die Phase des Schocks und des „Nicht-wahr-haben-Wollens“.

Typische Reaktionen können Betäubung und Erstarrung, Unglauben und Leugnen des Todes, Schock-Gefühl und Unfähigkeit zu weinen sein.

Der Trauernde ringt verzweifelt darum, das Geschehene, das Unbegreifliche zu erfassen. Er ist wie benommen, wie von einer Wolke oder einem Nebel umhüllt, weit ab von der Realität. Es ist ihm unmöglich, klar zu denken. Die ganze Wirklichkeit auf einmal zu erfassen, kann ein Trauernder oft nicht verkraften. Deshalb schützt ihn die Natur mit einer natürlichen Form von „Betäubung“, die sogar zur Ohnmacht führen kann.

Phase 2

Danach folgt häufig die Phase der aufbrechenden Gefühle. Auftreten können dann Weinkrämpfe, Verzweiflung, Schmerzen, Aggressivität, Ruhelosigkeit, Angstgefühle, Depressionen oder Schuldgefühle. Während der Trauernde im Schock kaum etwas fühlt, beginnt in dieser Phase ein gewaltiger Schmerz. Er kann emotional und körperlich sehr stark sein.
Die Gefühle wechseln sich jetzt häufig ab; Ausbrüche von Wut und Aggressivität können Phasen tiefster Niedergeschlagenheit folgen. Wut und Aggressionen können sich gegen Ärzte, Verwandte oder den Verstorbenen selbst richten.

Der Trauernde sehnt sich nach dem geliebten Menschen und sucht ihn, „hört“ seine Stimme, glaubt ihn überall „zu sehen“. Trauernde haben manchmal auch das Bedürfnis, Kleidungsstücke des Verstorbenen bei sich zu haben oder selbst zu tragen. Auch das gehört zum Durchleben der Trauer und sollte keinesfalls unterdrückt werden.

Phase 3

Die Phase des Suchens und Sich-Trennens führt bei Trauernden oft zu dem Gefühl, den Verstand zu verlieren, denn der Verstorbene wird an vielen Orten oder in bestimmten Situationen gesucht, innere Zwiegespräche werden geführt und Außenstehende reagieren darum aus Unwissenheit oft mit Unverständnis.
Der Trauernde kann nach einigen Monaten zwar meist wieder alltäglichen Dingen nachgehen, aber er zieht sich oft für eine lange Zeit in seine eigene Welt zurück, empfindet Leere und dumpfen Schmerz.

Phase 4

In der Phase der Neuorientierung kommt der Trauerde schon besser mit dem Verlust zurecht. Er fängt an, ihn zu akzeptieren, kann sich vom Verstorbenen langsam lösen und sein Leben neu ordnen. Er findet immer mehr sein inneres Gleichgewicht wieder, auch wenn er wohl nicht wieder derselbe Mensch wird, der er einmal war.

Trauer lässt sich mit Wellen vergleichen. Zuerst kommen die Trauerschübe wie im Sturm als Wellenberge – sehr hoch und oft hintereinander. Mit der Zeit werden die Abstände der Wellenberge kleiner, und sie verlieren an Höhe. Irgendwann meint der Trauernde dann, es würden keine Wellen der Trauer mehr kommen, weil es ihm wieder ganz gut geht. Aber schon ein einziges gemeinsames Erlebnis oder eine Erinnerung können dazu führen, dass wieder eine „Trauerwelle“ über ihn hereinbricht. Hier sollte man Gedult mit sich selbst haben um Heilung zu erzielen.

Krankhafte Formen der Trauer

Trauer besteht, vereinfacht gesagt, aus Schock, Schmerz und Heilung. Es kann vorkommen, dass ein Trauernder in einer der Trauerphasen stecken bleibt. Dann braucht er professionelle Hilfe – ähnlich wie bei Erkrankungen des Körpers auch. Trauerseminare oder erfahrene Psychologen können helfen.

Hilfreiches Zitat:

„Jede nicht geweinte Träne kann krank machen.“

SELBSTHILFEGRUPPEN

Mittlerweile haben sich viele Selbsthilfegruppen und Trauerinitiativen gegründet. Wenn Sie mit Ihrer eigenen Trauer nicht länger allein sein wollen oder einen Menschen kennen, der Hilfe braucht, wenden Sie sich bitte an uns oder setzen sich einfach direkt mit folgenden Initiativen in Verbindung:

Trauernde Eltern Rhein-Main e.V.

Diese Selbsthilfeorganisation hat das Ziel, Eltern, Geschwister und Angehörige nach dem Tod eines Kindes in ihrer Trauer zu unterstützen und zu begleiten. Es werden Treffen und Seminare durchgeführt, schriftliche und telefonische Kontakte sowie hilfreiche Informationen angeboten.

Kontakt:

Trauernde Eltern Rhein-Main e.V.
Carl-Zeiss-Straße 32
55129 Mainz

Tel. (0 61 31) 617 26 58
Fax (0 61 31) 617 26 59

Internet: www.trauernde-eltern-rhein-main.de

Initiative Regenbogen „Glücklose Schwangerschaft“

Selbst betroffene Frauen und Männer bieten Eltern, die ein Kind durch Fehl-, Früh- oder Totgeburt bzw. kurz nach der Geburt verloren haben, ihre Hilfe durch einen Erfahrungsaustausch und gemeinsame Gespräche an. Auch werden Kontakte zu anderen betroffenen Eltern vermittelt sowie Einzel- und Gruppengespräche durchgeführt.

Kontakt:

Initiative Regenbogen „Glücklose Schwangerschaft“ e.V.
In der Schweiz 9
72636 Frickenhausen

Tel. (0 55 65) 13 64

TRAUERTELEFON

Unter der Telefonnummer (0700) 70 400 400 erhalten trauernde Menschen in ganz Deutschland Hilfe und Begleitung. Sie können hier telefonisch mit kompetenten Gesprächspartnern und ausgebildeten Trauerbegleitern ausführlich über ihre persönliche Situation reden.

Dieses Angebot richtet sich an alle, die unter einer Trennung oder einem Verlust leiden, und die in ihrem sozialen Umfeld nicht die Unterstützung finden, die sie benötigen. Über das Beratungstelefon sind auch Adressen von Selbsthilfegruppen, Trauerbegleitern und helfenden Organisationen in der Wohnortnähe des Ratsuchenden erhältlich.

Die Mitarbeiter des Trauertelefons arbeiten ohne Vergütung. Dem Anrufer entstehen außer den Telefongebühren (zurzeit 12 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz) keine Kosten!

Der Initiator des Trauertelefons, die „Lebensquelle Trauer“, baut ein bundesweites Netzwerk aller helfenden Berufe aus dem Bereich „Leben – Sterben – Tod – Trauer“ auf.

Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, sprechen Sie uns bitte an!